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Agenda 21 - Arbeitskreis
Ein besonderes Ziel des Agenda 21 Arbeitskreises ist die Erhaltung und Verbesserung der LebensQualität in unseren Dörfern Greußenheim und Hettstadt. Dazu gehört vor allem auch die Nahversorgung. Sie als Bürgerin und Bürger können hier mithelfen, denn LebensQualität kommt nicht von selbst, wir müssen dazu bewusst etwas beitragen.

"Nahversorgung? Brauch' ich nicht!"


Wer ein Auto hat, der kann wählen. Fährt einmal in dieses, einmal in jenes Einkaufszentrum. Ganze Einkaufsstädte wachsen aus dem Boden. Im Heimatort hat wieder ein Geschäft aufgegeben, ein anderer denkt schon laut über's Schließen nach ... Eine Kettenreaktion, denn miteinander vernetzte Strukturen brechen gemeinsam! Wie lebenswert wird unser Wohnort in einigen Jahren noch sein, wenn alle für unsere Lebensqualität wichtigen Einrichtungen zusperren oder abwandern? Noch haben wir vieles, worauf wir stolz sein können - aber manches ist heute schon bedroht. Dass vieles für uns wichtig ist, werden wir wahrscheinlich erst dann merken, wenn es fehlt. Nicht nur der Lebensmittelhändler - wir alle sind Träger unserer Lebensqualität: Bauern, Gastronomiebetriebe, Kioske, Ärzte, Vereine, Schulen, Kirchen, die Post und vieles mehr. Sie bilden zusammen jene "Träger-Struktur" für unsere Lebensqualität, die für uns so wertvoll ist.


"Wir sparen."


Sparen ist modern. Wir kaufen, wo's billig ist, und legen die ersparten Pfennige an. Am Ende vererben wir unseren Kindern und Enkelkindern dann einen Baugrund, ein Haus, ein Sparbuch oder Wertpapiere. Ein schönes Ziel! Allerdings lösen wir mit unserem Kauf- und Sparverhalten eine Kettenreaktion aus ... Wenn wir nur mehr in der Ferne kaufen, wo es scheinbar am Bil-igsten ist, dann wird es über kurz oder lang nur mehr diese fernen Geschäfte und Einrichtungen geben. Mit allen ihren Vorteilen und Nachteilen. Doch unsere Rechnung geht oftmals nicht auf. Wir übersehen nämlich die Mehrkosten der Fernversorgung ebenso wie die langfristigen Folgen unseres Handelns. Sind die Strukturen in unserem Ort einmal zerbrochen, sinken die Grundstückspreise, verlieren unsere Investitionen ihren Wert. Baugründe, Wohnungen und Häuser - von mühevoll Erspartem gekauft - werden von unseren Kindern nicht bewohnt, weil das Umfeld nicht mehr stimmt.

"Nahversorger? Den kann ich mir nicht leisten!"


Es gibt wirklich Leute, die jeden Pfennig dreimal umdrehen müssen, ehe sie ihn ausgeben. Doch sind es nicht gerade diese Menschen, die vom Zusammenbrechen der Strukturen am meisten betroffen sind? Die Älteren, die Kranken, Menschen, die ihren Job oder ihre Mobilität verloren haben, kinderreiche Familien ... Wir sollten überlegen, ob wir es uns langfristig leisten wollen, die Qualität der Nähe zu verlieren.
Denn:

  • Die wenigsten von uns haben einen absolut sicheren Arbeitsplatz.
  • Keiner hat die Gesundheit für immer gepachtet.
  • Und älter werden wir auf jeden Fall.

So kann es sehr schnell gehen, und wir sind selbst auf das Angebot in der Nähe angewiesen, oder dass wir abhängig werden von der Fürsorge unserer Mitmenschen und den schwer erreichbaren Angeboten aus der Ferne. Wollen wir uns den Verlust der Nähe wirklich leisten?


"Nix los!"

Im Ort tut sich nichts! Also rasch raus hier!

  • Freizeitvergnügen auswärts.
  • Essen auswärts.
  • Einkaufen auswärts.
  • Arbeiten auswärts.

Wenn nichts los ist, dann gehen wir eben. Manche sagen bereits: "Früher wollten wir weg, heute müssen wir weg." "Nur - das ist der große Unterschied ..." Die Jungen siedeln der Arbeit nach. Zurück bleiben die Alten. Viele Betriebe haben zu nomadisieren begonnen und ziehen global von "fet-ter Weide" zu "fetter Weide". Für uns wird es immer schwieriger, mitzuzie-hen ... Sollten wir nicht so investieren, dass wieder Leben in unsere Ortsgemein-schaft kommt? Damit ein Klima entsteht, in dem Ideen und Projekte gedei-hen und somit Lehrstellen und Arbeitsplätze in der Nähe gesichert und ge-schaffen werden? Dazu müssen wir uns allerdings unserer gemeinsamen Stärke als Kon-sumenten bewusst werden.


"Qualität - Wem kann man trauen?"


Besonders bei Lebensmitteln wird die Qualität immer wichtiger. Doch wie können wir sicher sein, Qualitätsprodukte zu kaufen? Die strengen deut-schen Gesetze und die Qualitätsinitiativen von Gewerbe, Handel, Landwirt-schaft und Industrie machen uns ein wenig sicherer hinsichtlich Herkunft und Qualität. Trotzdem lesen wir oft stundenlang Produktbeschreibungen und werden nicht schlau daraus ... Wie gut wäre es doch, den Erzeuger persönlich zu kennen. Viele Produkte aus der Ferne haben bereits Tausende von Kilometern und einen Berg an Umweltbelastungen am Buckel ... Nur zu oft lassen wir uns von schönen Verpackungen verführen, obwohl wir ausschließlich das brauche, was drin ist. Die Nähe nützen heißt, Transportkosten sparen und Abfall vermeiden.

 


"Guten Morgen. Wie geht's heute?"


Die Orte, die wir am meisten lieben, sind jene:

  • Wo uns jemand erwartet, wo wir gebraucht werden und man nach uns fragt.
  • Wo wir gerne gesehen werden.
  • Wo wir Freunde treffen und Gemeinschaft erleben.

Auch unsere Nahversorger sind solche Orte der Lebensqualität. Auffallend ist, dass viele Orte unserer Lebensqualität - von den Vereinen bis hin zu Familie - bedroht sind. Wir werden wohl etwas Zeit, Verständnis und Herz investieren müssen, damit unser Leben mehr Qualität und Menschlichkeit bekommt. Auch das ist Nahversorgung. Wo unser Herz ist, ist auch unser Engagement. Dort leisten wir gerne einen Beitrag für die Gemeinschaft. Wer mit seiner Gemeinde verbunden ist, gibt auch dort sein Geld aus und fördert damit gleichzeitig die Lebensqualität in seinem eigenen Lebensraum. Von dem, was wir zu Hause - im Ort, in der Familie, in den Vereinen - an Zeit und Geld investieren, kommt wieder vieles zurück!

 


"Drei Stunden umsonst"


Die Arbeitszeit endet zwar um fünf. Der Arbeitstag aber erst um halb sieben. Bei drei Stunden Pendelzeit täglich macht das 15 Stunden weniger Freizeit pro Woche. Zeit, die man der Familie oder dem Hobby widmen könnte, wenn es in der Nähe Arbeitsplätze gäbe ... Obwohl über Jahre hinweg Arbeitszeit verkürzt wurde, muss heute so mancher, der Pendel- und Arbeitszeit zusammenrechnet, feststellen, dass er in Wirklichkeit eine 60-Stunden-Woche hat! Ein Arbeitsplatz zu Hause, das wäre Arbeitszeitverkürzung!
"Nahversorgung mit Arbeit" funktioniert nur, wenn die gesamte Wirtschaft - aber auch die sozialen Strukturen - in unserem Lebensraum funktionieren. Familienfreundliche Teilzeitarbeit ist überhaupt von der Nähe abhängig. Nahversorgung bringt die Arbeit zu den Menschen, anstatt die Menschen zur Arbeit!

 


"Ich will alles - und zwar sofort!"


Oft haben unsere Großeltern Bäume gepflanzt - investiert - im Bewusstsein, dass die Früchte erst ihren Kindern und Enkeln zugute kommen. Wer dagegen heute Zeit und Geld investiert, ohne selbst noch einen Nutzen davon zu haben, gilt beinahe schon als verrückt. Uns ist häufig nicht bewusst, dass wir in manchen Bereichen den kommenden Generationen keine Ersparnisse, sondern Schulden hinterlassen. Wir schöpfen aus dem Vollen und leben in scheinbarem Überfluss. Und ver-gessen allzu leicht, dass nichts im "Raumschiff Erde" unbegrenzt ist: Energie, Rohstoffe, die Vielfalt der Arten, fruchtbarer Boden, Wasser, Luft ... Die große Herausforderung an jeden Einzelnen von uns ist, mit dieser Be-grenztheit verantwortungsvoll haushalten zu lernen.
Dabei gilt: Reich ist nicht nur, wer viel hat, sondern auch, wer wenig braucht.
Wenn uns letztlich einmal nur mehr das zur Verfügung steht, was kontinuierlich nachwächst, also erneuerbar ist, dann müssen wir heute schon offen sein für richtungsweisende Ideen und Lösungsansätze!

 


"Hauptsache gesund!"


Ärzte und Krisenmanager stehen hoch im Kurs - und wir sorgen eifrig dafür, dass ihnen die Arbeit nicht ausgeht. Obwohl wir unsere Verwundbarkeit in keiner anderen Situation so deutlich erleben wie im Krankheitsfall ... Wäre Vorsorgen nicht besser als Heilen?
Bis zu 60 % können wir unsere Gesundheit durch unser Verhalten - Ernäh-rung, Bewegung usw. - selbst beeinflussen. Wenn es um unsre Gesundheit geht, sind wir uns selbst die Nächsten.
Aber auch bei sehr bewusstem Lebensstil müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass in unserem Leben Zeiten kommen, in denen wir medizinische und so-ziale Versorgung brauchen: Arzt, Apotheke, Sozialeinrichtungen, Albersver-sorgung ... Und das oft rasch.
Wir müssen uns entscheiden, ob wir nicht doch schon jetzt etwas für unsere Gesundheit und für "gesunde Strukturen" tun.

 


"Der Wind hat sich gedreht!"

 
"Bei der Umkehr in einer Sackgasse werden die Letzen die Ersten sein." Manches, was als "modern" galt, führte in eine Sackgasse. Die sogenannten "Letzten von gestern", die nicht jedem Trend mitgemacht haben, werden so möglicherweise die "Ersten von morgen" sein. Sie müssen nur ihre Chancen nützen.
Auch wenn wir den Blick hauptsächlich auf Globalisierung und Zentralisierung gerichtet haben, entdecken wir zunehmend die Bedeutung der Nähe für unsere persönliche Lebensqualität. Für unseren Heimatort zu sein, bedeutet aber nicht, gegen Nachbarorte oder Zentren sein zu müssen. Denn manches, was unsere Lebensqualität ausmacht, ist weiter weg und erfordert Mobilität. Aber eine weitere Steigerung unserer Mobilität bringt uns keine zusätzlichen Vorteile, weil wir feststellen müssen, dass wir in ganz Europa immer öfter auf die gleichen Produkte treffen. Welchen Wert haben aber Freiheit und Mobilität ohne echte Wahlmöglichkeit?

gez. Raimund Fischer
(Agenda 21-Beauftragter)

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