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Die Waldbereinigung in Greußenheim

Waldflurbereinigung Greußenheim 4 - eine umweltpolitische Investition in die Zukunft.

 

 

Warum wollen wir in Greußenheim den Wald bereinigen?

 

 

Auf der Gemarkung der Gemeinde Greußenheim stehen ca. 500 ha wertvoller, stabiler und gesunder Wald, der zum Schutze unseres Grundwassers wichtig ist und unserer Naherholung dient. Knapp die Hälfte dieser Flächen ist Ihr privates Eigentum – mit dem Sie im Moment fast nichts anfangen können! Die fränkische Realteilung der Vergangenheit hat überall zu kleinen, schmalen Grundstücken geführt. Auf der Feldflur ist diese Zersplitterung in den letzten 50 Jahren längst überwunden worden. Im Privatwald herrschen aber noch die überkommenen  Verhältnisse. Erschwerend kommt hinzu, dass die Grundstücke nicht vermarkt wurden. Kaum jemand kennt seine Besitzgrenzen und weiß deshalb auch niemals genau, ob er sich auf seinem Grundstück oder schon auf dem Nachbargrundstück befindet. Eine sinnvolle Waldwirtschaft ist aus diesen Gründen fast unmöglich! Diese Zustände sind untragbar und führen innerhalb unserer Dorfgemeinschaft immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und Ärger. Es wurde höchste Zeit, diesen Zustand zu ändern.

 

Die Entwicklung der Energiepreise der fossilen Energieträger macht den Wald als Energielieferanten wieder wirtschaftlich interessant. In Bayerns Wäldern steht eine Milliarde Festmeter Holz, wir sind das Holzland Nummer 1 in Europa. Vom jährlichen Zuwachs in unseren Wäldern werden nur etwa 2/3 genutzt. Der jährliche Zuwachs im Greußenheimer Wald könnte bei nachhaltiger Bewirtschaftung mehr als eine halbe Million Liter Heizöl ersetzen! Dieses Potential gilt es zu nutzen. Dazu erforderlich ist ein wirtschaftlicher Zuschnitt der Waldgrundstücke und eine ausreichende Erschließung mit Wegen. Dies war nur über eine Wald-Flurbereinigung erreichbar. Als angenehmen Nebeneffekt fördern wir auch Freizeit und Erholung, machen unsere Kulturdenkmäler wieder sichtbar und tragen zu Trinkwasser- und Klimaschutz bei. Aufgrund der Verhältnisse und der geschilderten Situation hat sich vor Jahren ein Arbeitskreis gegründet und sich mit diesem Thema eingehend beschäftigt. Das Amt für Ländliche Entwicklung konnte ab dem Jahr 2006 die Wald-Flurbereinigung beginnen

 

Im Arbeitskreis sind tätig Verantwortliche der Amtes für Ländliche Entwicklung, der Gemeinde Greußenheim, der Feldgeschworenen, des Bauernverbandes, der Jagdgenossenschaft, der Staatlichen Forstverwaltung und Privatwaldbesitzer. Namentlich sind dies die Herren:

Manfred Wimmer, Bernd Günzelmann, Bruno Scheiner, Thomas Müller, Rudolf Dürr, Karl Freudenberger, Erich Kuhn, Wolfgang Fricker, Reinhold Seubert, Leo Braunwart, Andreas Graf, Hans-Peter Gürz, Karl Lother,  Konrad Öchsner, Arnulf Duscha, Klaus Kuhn, Norbert Ramnick, Hans Röthlein, Hermann Dürr.

Die Mitglieder des Arbeitskreises haben zunächst über den Ist – Zustand des Greußenheimer Waldes nachgedacht, haben über Probleme, Schwächen, Möglichkeiten und Stärken gebrütet und aus diesen Erhebungen schließlich Entwicklungsziele abgeleitet.

 

 

 

1.     Probleme und Schwächen

 

 

1.      Schwierige Waldbereinigung wegen

-         stark unterschiedlichen Geländeverhältnissen

-         unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit

 

2.      Ungünstige Besitzstruktur

-         viele kleine, schmale Grundstücke im Privatwald (Realteilung)

-         Große Besitzzersplitterung (ca. 300 Grundstückseigentümer)

mit den Folgen:

-         viele Grenzbäume (Eigentumsverhältnisse strittig)

-         Beeinträchtigung der Nachbargrundstücke bei der Bewirtschaftung

-         Einzäunung für Wildschutz unrentabel

-         große Transportwege

-         schwierige Orientierung (Lage der Grundstücke)

-         nachhaltige Waldbewirtschaftung sehr schwierig

-         Vernachlässigung der Waldbewirtschaftung und Raubbau

-         Neuanpflanzung und Wiederaufforstung erschwert

-         Pflanzenschutz im Wald ist unmöglich

 

3.      Fehlende Abmarkung (Ursache vermutlich durch frühe Ablösung und Aufteilung von Holznutzungsrechten) mit den Folgen:

-         Rechtsunsicherheit hinsichtlich des Eigentums

-         keine Beweismöglichkeit bei Rechtsverletzungen

-         Wertverlust (Beleihung, Verkauf)

-         kein Grundstücksverkehr möglich, zumindest erschwert

 

4.      Kein öffentlicher Weg zum Grundstück

-         Einsatz von moderner Forsttechnik unmöglich

-         Erreichbarkeit nur über fremde Grundstücke (mit Folgeschäden)

-         keine schnelle Rettung bei Unfällen möglich

-         kein Einsatz moderner Feuerlöschfahrzeuge möglich

-         Naherholung beschränkt

-         Keine Verwertung von felsigem Bauaushub möglich, weil fast keine Wege vorhanden sind.

 

5.      Greußenheimer Wald ist ein Wald der vertanen Möglichkeiten (nur Brennholzqualität)

 

6.      Ökologisches Potential ist im jetzigen Waldzustand nicht nutzbar

 

7.      Vermarktung über Forstbetriebsgemeinschaft ohne öffentliche Unterstützung ist momentan unwirtschaftlich

 

8.      Viele Erbengemeinschaften

 

9.      Kein Wildschadenersatz möglich (weil der Wald nicht genutzt wird, liegt kein Schaden vor)

 

10.  Kulturgüter im Wald geraten in Vergessenheit und gehen unter (z. B. Kaiser-Karls-Gericht)

 

2.     Möglichkeiten und Stärken

 

 

1.      Zentraler Marktplatz für Wertholz vor Ort

Vorteil für den Privatwaldbesitzer:

-         Kurze Transportwege für die örtlichen Waldbesitzer (geringe Kosten)

-         Marktgeschehen kann direkt vor Ort verfolgt werden, Aufkäufe aus der ganzen Welt werden getätigt (dadurch wird das Qualitätsbewusstsein der Privatwaldbesitzer geschärft)

 

2.      Gute Standortvoraussetzungen

-         Klima in Franken (Weinbauklima)

-         Wüchsige Böden
Folge: schnelleres Wachstum der Bäume

-         Anpflanzung von anspruchsvollen Baumarten möglich (Erzeugung von hochwertigen Edelhölzern vor Ort denkbar)

-         stabile Bestände, widerstandsfähig gegen Windwurf

-         höhere Produktionssicherheit, als anderswo

 

3.      Großer Kreis von Vorteilsziehenden durch die Waldbereinigung aufgrund der Vielzahl der Beteiligten (550 Besitzstände bei ca. 220 ha Privatwald)

 

4.      Vermarktungsmöglichkeiten nicht nur von hochwertigem Holz sondern auch von geringwertigem (Brennholz und Schwachholz) vor Ort für Privatwaldbesitzer

-         durch Verkauf an örtliches Heizwerk (kurze Wege)

-         für Eigenbedarf (keine anderen Energieträger wie z. B. Öl notwendig)

 

5.      Verringerung der Abhängigkeit vom Energiemarkt

(1 Ster Brennholz hat den Heizwert von ca. 200 l Heizöl)

 

6.      Viele Gruppierungen vor Ort, die diese Möglichkeiten erkennen und unterstützen

-         Agenda-21-Gruppe

-         Ortsgruppe des Bayer. Bauernverbandes

-         Gemeinde Greußenheim

-         Jagdgenossenschaft

-         Bund Naturschutz

-         Feldgeschworene

 

7.      Engagierte und in erfolgreichen Umweltprojekten erfahrene Gemeindebürger

 

 

3. Entwicklungsziele

 

1.      Ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Waldgrundstücke durch:

-          Verbesserung der Besitzstruktur durch Zusammenlegung (weniger und größere Besitzstücke)

-          zweckmäßige Erschließung aller Grundstücke

-          Verbesserung der Grundstücksform

-          funktionsgerechter Ausbau der Hauptwirtschaftswege und der untergeordneten Wege

-          fachkundige forstwirtschaftliche Beratung

-          soweit möglich Auflösung von Gemeinschaftseigentum (= Erbengemeinschaften)

-          sichtbare Abmarkung der Grundstücke

-          Aktualisierung der Rechte an den Grundstücken im Grundbuch

 

2.      Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes im Wald durch:

-    Anlage von Tümpeln

-   Pflegen des Waldmantels (Saum)

-   Anlage von Äsungsflächen für das Wild
 

3.      Reaktivierung der Kulturgüter im Wald durch:

-          Geschichtsdenkmäler zugängig machen (Kaiser-Karls-Gericht, Kreuzweg, Kriegsgräber von 1866, Gedenktafel Verunglückter usw.)

-          eigentumsrechtliche Regelung (z. B. Kreuzweg am Herchenberg)

-          kleinere Sanierungsmaßnahmen an den Kulturdenkmalen

-          Erhaltung und Kennzeichnung der Flurlagen in den Katasterunterlagen


 

4.      Förderung der Freizeit und Erholung sowie Erhöhung des Erlebniswertes durch:

 

 -          Wegebau (Wanderer, Radfahrer usw.)

-          Aussichtspunkte kennzeichnen und erhalten

-          Naturlehrpfad anlegen

 

 

Wie wird der Wert eines Waldgrundstückes festgelegt? 

 

Bei einer Waldbereinigung findet grundsätzlich ein wertgleicher Tausch statt. Das bedeutet, vor diesem Tausch werden sowohl der Wert des Bodens wie auch der Holzaufwuchs (z. B. Baumarten, Altersklassen usw.) getrennt bewertet, ermittelt. Dies geschieht durch einen unabhängigen staatlich vereidigten Sachverständigen. Die Wertermittlung wird sehr individuell durchgeführt und kann durch gestochen scharfe Luftbildaufnahmen belegt und ergänzt werden.

 

Was kostet eine Waldbereinigung und wer muss sie bezahlen?

 

Die persönlichen und sächlichen Kosten des Amtes für Ländliche Entwicklung, das die Waldflurbereinigung durchführt, werden zu 100 % vom Staat getragen.
Die Ausführungskosten, also die Kosten für den Wegebau, die Vorflutgräben, die Abmarkung und Vermessung, die Vorstandstätigkeit, die Entschädigungen und Ausgleiche können bis zu

70 % durch Zuschüsse gefördert werden.
Die Ausführungskosten für die Landespflege können bis zu 80 % und die Kosten für die Wertermittlung der Waldböden und des Holzbestandes bis zu 100 % mit staatlichen Fördermitteln abgedeckt werden.

 

Der verbleibende Rest wird auf die Waldbesitzer umgelegt. Je nach Umfang der Maßnahmen, wobei die Wegebaukosten den wohl größten Anteil ausmachen, liegen diese erfahrungsgemäß im Mittel zwischen 300,-- € und 500,-- €/ha. Dieser Betrag wird je nach Kostenanfall über Jahre auf mehrere Teilzahlungen verteilt und eingehoben.

 

Fazit:

Ein Großteil der Gesamtkosten wird somit über staatliche Fördermittel finanziert, der verbleibende Rest ist für den Privatwaldbesitzer erträglich, erschwinglich und gut angelegtes Kapital für die Zukunft.

 

Teilnehmergemeinschaft und örtliche Vorstandschaft:

 

Mit Anordnung des Verfahrens entstand die Teilnehmergemeinschaft Waldflurbereinigung Greußenheim. Ihr gehören alle im Verfahrensgebiet liegenden Grundstückseigentümer an (Teilnehmer).

Die Teilnehmer wählten einen aus mehreren Mitgliedern bestehenden Vorstand.

Vorsitzender: Manfred Wimmer, ALE Ufr.
Vorstandsmitglieder: Norbert Ramnick, Karl Lother, Walter Hetzer, Reinhold Seubert,  Wolfgang Fricker, AELF Wü., Bürgermeister Thomas Rützel.
Durch dieses genossenschaftliche Vorgehen bleiben die Interessen aller Privatwaldbesitzer gewahrt.
Die Teilnehmergemeinschaft kann auch Waldgrundstücke, die ihr während der Umlegung angeboten werden, aufkaufen und im Rahmen der Bodenordnung, soweit das aufgekaufte Land nicht für gemeinschaftliche Zwecke benötigt wird, wieder an Kaufwillige weitergeben.

 

Selbstkontrolle und Überprüfung des laufenden Holzeinschlages

 

Parallel zur Diskussion über eine mögliche Waldbereinigung wird in unserem Privatwald seit Jahren massiv Holz eingeschlagen. Diese Handlungsweise führt stellenweise zu Unmut und manchmal auch unschönen Diskussionen, weil eben bekannt ist, dass kaum Grenzsteine im Privatwald vorhanden sind. Diesem nicht hinnehmbaren Vorgehen wollen wir entgegen treten. 

 

Unser Revierförster, Herr Wolfgang Fricker, ist Staatl. Forstschutzbeauftragter und somit zuständig für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Revier (er hat die Rechte und Pflichten eines Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft).

 

Er wird mit einem satellitengestützten Navigationsgerät (GPS) den genauen Standort der gefällten Bäume überprüfen und ermitteln. Mit den Geo-Daten und Satellitenbildern im Amt für Landwirtschaft und Forsten Würzburg kann er feststellen, ob ein Baum auch vom tatsächlichen Besitzer gefällt worden ist. Bei Fehlverhalten wird er entsprechend seines staatlichen Auftrages handeln.

Diese Maßnahme dient der Rechtssicherheit und dem Rechtsschutz aller Eigentümer in unserem Wald und schadet niemandem, der rechtens handelt.

 

 

 

 

 

 

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